Druckschrift 
Maurerische Blüthen : Erzählungen, Reden u. Gedichte aus dem Freimaurerleben
Entstehung
Seite
37
Einzelbild herunterladen
 

37

Dich jetzt schweigen; aber Du sollst bald etwas davonhören, wenn unser Leben wieder geregelt ist."

9. Kapitel.

Der Gärtner.

Kaum sind einige Wochen vergangen, so finden wir unfernGotthold auf dem Rittergute der Stadt B. als Gärtner undLehrer der Kinder des Gutsbesitzers. Wir wollen demLeser nichts erzählen von den bittersüßen Stunden, dieder Mann nach seiner Absetzung noch erfuhr. Wir müßtendann schildern, wie der Pfarrer, als er sah, mit welcherRuhe der Mann sein Schicksal ertrug, noch bittrer wurde,und selbst von der Kanzel herab Schmähreden hielt; wirmüßten aber auch schildern, wie viele Thränen dem Lehrerbeim Abschied geweint wurden, wie das ganze Dorf sichfür ihn, wenn auch vergeblich verwandte, wie die Leuteaus den Häusern kamen und ihm die Hände drückten undihm Glück und Segen wünschten; wir müßten schildern,mit welcher stoischen Gelassenheit der Mann den Ort ver-ließ, da er wohl mit Samuel rufen konnte: „Habe ichirgend Jemand von Euch Unrecht gethan, oder habe ichmeine Pflicht nicht erfüllt?"

Wir wollen ihn sogleich hier in seiner neuen Wirk-samkeit belauschen. Es ist ein Sonntag angebrochen. DieSonne schaut verstohlen zum Himmelsfenster heraus, vordem noch ein dünner Nebelschleier hängt. Aber Gott-hold ist schon munter. Mit einer leichten netten Gärt-nertracht bekleidet und mit fröhlichem Angesicht kommt erdahergeschritten über den Hof des Rittergutes. Wer ihnfrüher nicht genau gekannt, erkennt ihn nicht wieder. Die