Die Bekehrung im Alter. 189
dächtig, fliehet die Sünde aufs äußerste, und gicbct denArmen nach seinem Vermögen; er dient jedermann gern,ist gelassen, barmherzig, liebreich und freundlich; erglaubet alles was ihm die Lehrer unser Kirche sagen, undseine Werke stimmen mit seinem Glauben überein; waswollt ihr denn mehr von einen Christen verlangen? Eskann dieses alles seyn, schloß Arist; allein glaubt mir.Nach fünfzig Jahren kann sich kein Mensch bekehren.Wenn Perron vor zwanzig Jahren so gewesen wäre, wieer jetzt ist, da er auf sechzig hinan gehet: so wollte ichshn für einen Heiligen gehalten haben. Denket einmalnach, der weiseste König azif Erden hatte in seinem Älternicht einmal so viel Kraft, daß er der gröbsten Abgötterreu widerstehen konnte; wie unschuldig har also pctro»zur Frömmigkeit kommen können, da er, nachdem seinebösen Neigungen erstorben, und seine Leidenschaften ineinen tiefen Schlaf verfallen sind, derselben gar nicht wi-derstehen können? Wo der Widerstand schwach ist, daist der Sieg geringe, und da ein alter Mann oftmalsnicht einmal so viel Kraft hat, daß er dem Reize einerKlapperbüchse widerstehen kann, wie will er denn dem be-ständig anziehenden Reize der Tugend widerstehen kön-nen? Glaubet mir die beste Bekehren» in der Welt, istdie Faulheit; diese ist die wahre Zerstören» aller Laster,und wenn der Mensch nur erst so weit ist, daß seine Lei-denschaften träge werden: so ist er gar bald fromm.Stellet euch vor, Perron höre eine nicht gar zu allge-meine Predigt, er würde dadurch gerührt, weil sein Herznicht widerstehet; dieser Mangel des Widerstandes aberscy nicht die Frucht einer Ucbcrwindung, sondern eineserschlaftcn Herzens, würdet ihr wohl sagen, Perron ha-be sich bekehret? Ich habe noch keinen gesehen, der sichin der Stärke seiner Leidenschaften ernsthaft gebessert har.
Das