Verdienten sie die Krone oder nicht? Fl
erkläret halte, als die besten Eheleute im Dorfe gekrö-»er werden könnten? Der Gerichtsherr sagte kaltsinnig:er wolle es lediglich auf den Ausspruch der Menge an-kommen lassen; die gnädige Frau meinte, sie müßten dochetwas für den Schrecken haben; der Pfarrer versicherte,es wären doch immer gute Leute gewesen; und die Ge-meinheit rief einhellig: O, wenn man alle so auf die Pro-be setzen wollte, so möchte der Henker ein ehrlicher Mannseyn. Der einzige Gerichtshalter wollte behaupten, dieSache mußte erst näher untersuchet werden, aber ihmward befohlen, anstatt der Erbschaft, den Ausspruch zumProtokoll zu nehmen, und die GericktSfrau setzte daraufder beste Frau die Krone auf, so wie es der Gerichtsherr
dem besten Manne lhat.
Das hätte ich nicht gethan antwortete ich, und wennauch . . . O erwiederte der Mann, wenn sie in der Ver-sammlung gewesen wären, und die Anna Catharine Un-ruhe in ihrem ehrwürdigen Alter, und ihren Mann inseinen grauen Haaren gesehen; wenn sie auf den Phy-sionomien aller Anwesenden nur eine Stimme für sie ge-lesen hacken; wenn ihnen der Pfarrer selbst gesagt hätte,sie möchten sich kein Bedenken machen; und wenn dasEssen immittelst aufgetragen gewesen wäre: O sie hättenes wahrlich nicht kalt werden lassen. Ich gieng fort, ohneweiter zu antworten. Aber was das für eine Philosophieist, einen gutwillig Hahnrey und eine Hure als die bestenEheleute zu krönen! und doch mag sich der Fall oft ge-nug zutragcn; die Menschen im gemeinen Leben habeneine ganz andre Praktik, als wir Physiologen/ Sielas-sen dem lieben Gott das Herz richten, und geben demje-nigen die Krone, von dem sie das mehrste Gute empfan-gen. Sie sind minder ekel wie wir feinen Moralisten, obsie aber dabey gewinnen oder verlieren, und ob dieserMöser» parr- phamas. lv. T!>. F Ge-