7O Ein kleiner Umstand thut oft vieles.
welcher mein ganzes Leben verbittern würde Hievonhatte ich ihn überzeugt, und in dieser Ueberzeugung suchteich meine Ruhe wieder zu finden.
Wir schieden endlich mit der heiligsten Versicherungaus einander, uns nie wieder allein zu sehen, und hier-auf küßte ich ihn noch einmal zur Dankbarkeit wie ichglaubte, für die Gerechtigkeit, welche er mir in diesemAugenblicke erzeigt hatte. Jetzt befand ich mich etwasruhiger, und wie nicht lange darauf mein Mann zu mirkam, um sich nach meinem Befinden zu erkundigen, konnteich ihm sagen, wie ich glaubte, daß die rauschenden Ver-gnügungen der Stadt meiner Gesundheit nicht zuträglichwären, und so zogen wir nach wenigen Wochen auf un-ser Gzit, und verließen den Hof, wo ich vorhin den Him-mel auf Erden gefunden zu haben glaubte.
So wie ich die Sachen jetzt, aber vielleicht aus ei-nem unrichtigen Gesichtspunkte, ansehe, glaube ich fast,daß ich nie zu der ruhigen und stillen Lebensart gekom-men seyn würde, worinn ich mir nun so sehr gefalle,wenn ich jene Erniedrigung nicht erlitten hätte. Ich ha-be seit der Zeit hundertmal mehr Gefälligkeit für meinenMann gehabt als vorhin, und er ist glücklicher dadurchgeworden. Ich habe mich ganz meinen mütterlichen Pflich-ten gewidmet, und kenne nichts unerträglichers als denbeständigen Genuß solcher Lustbarkeiten, die andre biszum Eckel verfolgen. Ich bin gegen alle arme Sünderund Sünderinnen tausendmal billiger als vorhin, ertrageetwas Unrecht wegen meiner heimlichen Schuld, kehrealles zum Besten, beneide keinen Glanz, und richte keinemenschlichen Fehler. Jeder gefällt sich bey uns, man lo-bet mich wegen der großen Vernunft, womit ich den kost-baren Eitelkeiten der Welt entsage, man rühmt mich alsdie würdigste Frau, als die gewissenhafteste Mutter, und
als