Schreiben einer Dame
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wollte. Aber es giebt sich doch bald, und zuletzt wirdes einem so mechanisch, wie den großen Herrn bey derCour. Ihnen wird dabey Ihre gute Erziehung, die indiesem Stücke ausserordentlich viel vermag, sehr zu stat-ten kommen, und ihre Empfindsamkeit wird dann die edel-ste Gabe werden, die Ihnen die Natur geschenkt hat,wenn sie zur freudigsten Tätigkeit übergeht, und jederHandlung das sanfte, gefällige und zärtliche eindrückt,was jetzt nur im stillen schmachtet, oder wie eine Blumeim Keller blühet. Ihr lieber Mann wird sich auf denkorbeerreiscrn sonnen, die Sie ihm unterlegen, und Siezärtlich einladen das Vergnügen, was Sie ihm vrrschafthaben, mit ihm zu theilen.
XIV.
Schreiben einer Dame an ihren hitzigen
Freund,
§Aerzeihen will ich Ihnen gern, mein lieber Freund,und zwar von Grund meines Herzens, aber ihreEntschuldigung, daß ihre polternde Hitze ein Naturfeh-ler sey, den man übersehen müsse, lasse ich durchaus nichtgelten. Denn eines Theils ist es noch gar nicht ausge-macht, daß es eben so wohl gebrechliche Seelen als ge-brechliche Körper gebe; und andern Theils, wenn es aucheinige Seelen geben sollte, die von Natur Krüppel wä-ren: so glaube ich doch nicht, daß man solche Geiftcs-krüppel mit eben dem christlichen Mitleiden ertragen müsse,womit man einen von Natur schielenden Menschen zuertragen verbunden ist. Endlich setzt man auch den kör-perlichen Fehlern noch wohl etwas entgegen, und schie-net