Z4 Etwas zur Po'licey der Freuden
zu bezwingenden heimlicken und öflern Genuß befördert,auck wohl selbst das Salz der Freude, was dem geplag-ten Menschen Reiz und Dauer zur Arbeit geben soll, völ-lig unschmackhaft macht.
In gewissen Ländern und besonders am Rheine, laßtder Pfarrer des Sonntags das Zeichen mir der Glockegeben, wenn der Meter in der Schenke auf die Tonnesteigen darf, und nun fängt alles an zu Hüpfen. In derganzen Woche aber findet man daselbst keinen Menschentn der Schenke. In Frankreich, wo das Tanzen amSonntag verboten ist, sieht man des Abends nach ver-richteter Arbeit, häufige Tänze, und die Nation ist nüch,tern und fleißig In Genf findet man die Handwerkeralle Abend, wenn es die Witterung erlaubt, eine Stun-de auf öffentlichen Plätzen, um sich von der unermüde-ten Anstrengung des Tages zu erholen; und so ist überall,rvo die Gesetzgebung auf Erfahrungen gebauet wird,Freude und Arbeit vermischt, und die eine dient der an-dern mit mächtiger Hand.
In andern Landern hingegen, wo die Feyertage nacheiner gebieterischen Theorie abgeschaft, die blauen Mou-lage eingezc-gen, die Fastnachtslustbarkeiten verboten,die Leichen - und Kindelbiere *) zu genau eingeschränkt,alle Zehrungen untersagt, alle Kirmesfreuden durch dennie schlafenden Fiscal gestöret, und überhaupt alle Lust-barkeiten der Unterthanen sc viel immer möglich unter-drückt
*) In viele» westfälischen Dörfern gicbt es noch güste Kinbcl-biere. Das ist, Eheleute die keine Kinder haben, könneneinmal in ihrem Leben auch ein Kindclbier halten, damit siesich wegen dessen, was sie andern geopfert haben, erholenkönnen. Wahrlich eine gutherzige Erfindung. Güst wirdvon Kühen gebraucht, die nicht kalben.