Heber die verfeinerte Begriffe. 257
worinn der Pfarrer, welcher ein sehr vernünftiger Mannwar, dem Müller würklich Recht gab, ob er gleich dafürhielt, daß er selbst gegen die von demselben angegebeneRegel nicht gefehlt, und seiner Gemeine etwas vorgetra-gen hätte, das ihren Begriffen nicht angemessen gewesenwäre. Wie aber ein Wort so bas andre holte: so kamenwir endlich auf die jetzt allgemein herrschende Verfeinerungder Begriffe, und auf die Frage: ob solche nicht in ihrerArt ein eben solches Uebel, als die weiland beliebte Em-pfindsamkeit werden würde? Und Sie wollten es nichtbilligen, hob der Pfarrer an, wenn unsre Philosophen indas innerste der Natur dringen, jeden Begriff bis in feineQuelle verfolgen, hier die würkenden Kräfte aufsuchen,solche mit Namen bezeichnen und das Unsichtbare der Na-tur gleichsam zum Anschauen bringen? Sie wollten esnicht gut finden, daß unsre Phystognomisten in unendli-chen bisher unbemerkten Zügen die Abdrücke unsers Cha-racters finden, und damit unser Erkenntniß bereichern,daß unsre Pfychologisten alle Töne und Kräfte der Seeleunterscheiden, und den Maaßstab ans Unendliche legen,und daß endlich unsre Sittenlehrer die unzähligen Wen,düngen des menschlichen Herzens in Klassen ordnen, unddie chaotische Masse der dunkeln Begriffe zu lauter deutli-chen erheben?
Das kann ich freylich wohl nicht mißbilligen, war mei-ne Antwort, so lange solches für Bauverständige und nichtfür solche geschieht, die nun endlich das Mehl erwarten,ohne sich um die Nüsse, Poller und Splinten zu beküm-mern. Aber mich dünkt, die wenigsten unter den Schrift-stellern, welche jetzt für das Publicum schreiben, beweisendiese Mäßigung. Auch die besten unter ihnen schreibennicht mehr vor das gemeine Auge, ihre Worte sind nachihrer zu scharfen Einsicht gestimmt, ihre Begriffe sind zuMös. parr. Phanr. Hl Th. R tief