246 Wie ein Vater seinen Sohn
l.VI.
Wie ein Vater seinen Sohn auf eineneue Weise erzog.
Aus einer ungedruckten Chronick.
^)u dieserZeit war auch ein Mann, dem brachte seineo) Frau einen gar hübschen jungen Sohn, und er ließihn ganz philosophisch erziehen; mit blossen Füßen auf denSteinen und ohne Hut im Regen. Und damit der Jungefein wahr in seinen Reden, recht stark in seinem Vorsatze,und in allen Ausführungen unerschrocken werden mögte:so musie er jede Sache ausdrücken, wie er sie erkannte oderempfand, und sein Will« durfte gar nicht grbeuget werden.Md der Knabe ward recht groß und stark, und hatte Mus,kein die einen ganzen Kerl zeigten. Und der Vater brachteden jungen Kerl, wie er ausgewachsen war, an,'den Hofseines Königs, der ihn sehr gnädig aufnahm, und sich ob derAufrichtigkeit und Stärke des Burschen sehr verwunderte;auch freueten sich alle Hofdamen seiner. Es währete abernicht lange: so kamen viele Klagen an den König. Derjunge Kerl hatte die Gewohnheit, daß er allen Lügnern insGesicht spie, und jedem Verläumder auf der Stelle einenZahn ausschlug, wodurch der Hof in kurzer Zeit gar er-bärmlich verunstaltet wurde. Da ließ der König den Vaterkommen, und sagte zu ihm: er hätte ihm da einen jungenLöwen gebracht, der sich zwischen die Hirsche im Hof,Thiergarten nicht recht schickte, er mögte ihn also wiederheim nehmen, und in den Wald versetzen. Und als derVater ihn darauf in den Wald unter die andern Löwenthäte, da war er ein Löwe wie andere Löwen, doch brülle,ten die andern noch trrflicher als er. Indessen ließen
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