Druckschrift 
3 (1778) Patriotische Phantasien
Entstehung
Seite
93
Einzelbild herunterladen
 

für die deutschen Wochenschriften. 9z

Gesetze und ihr Geist sollten lebhaft in seine Seele dringen;er sollte die Gränzlinie, wo sich sein Eigenthum von demObereigenthum des Staats scheidet, mit dem Finger Nach-weisen können; er sollte sem Auge auch bis zum Throne er-heben, und mit einem fertigen Blick die Blendungen durch,schauen können, welche ei» despotischer Rathgebec zum Nach,theil seiner und der Oemschen Freyheit, oft nur mit mäßi,gen Kräften wagt; ihre Kinder sollten mit den zehn Gebo-ten auch die Gebote ihres Landes lernen, und in allen Fäl-len, wo sie einst als Männer gestrafet werden könnten,«uch ein Urtheil weisen können; es schien mir nicht genug,daß ein Land mit Macht und Ordnung beherrschet wird,sondern es sollte dieser grosse Zweck auch mit der möglich-sten Zufriedenheit aller derjenigen, um derentwillen Machtund Ordnung eingeführt sind, erreichet werden; der wich-tigste und furchtbarste Staat, der sich auf Kosten der all-gemeinen Zufriedenheit erhalten müste, war mir dasjenigenicht, was er nach der göttlichen und natürlichen Ordnungseyn sollte . .«

Allein so glücklich auch der Erfolg hievon in einem Lan-de gewesen seyn möchte, dessen Einwohner die eifrigstenVerfechter ihrer Rechte sind, und die sich allemal besser be-lehren als zwingen lassen; so schien mir doch der Schauplatzju klein, und die Sache zu spitzig, um meinen Plan zuverfolgen. Nichts dünkte mir leichter zu seyn, als di«Punkte, worüber ein Landesherr und seme Landschaft un-terschiedener Meynung sind, mit den beyderseitigen Grün-den richtig und anständig vorzutragen; aber auch nichtsschwerer, als die besonder» Absichten, welche oft unter die-sen Gründen spielen, und die Hauplschwierigkeit ausma-chen, zu berühren und jene vorzutragen, diese aber zu ver-helen, deuchte mir ein Lustspiel zu seyn, wovon keiner denKnoten kennt.

Der