Die Ehre nach dem Tode. 319
Epoque in der Geschichte der menschlichen Denkungsart zumachen, und mehrere Aufmerksamkeit zu verdienen, alsman insgemein darauf wendet.
Die Zeit welche ich gelebt habe, hat mir diese Verän-derung mit ihren Ursachen leicht entdeckt, und ich kann siedir nlit wenigem sagen. Vordem arbeitete ein jeder für sei-nen Nachruhm, jetzt für den Lag, den ihm der Himmelgiebt. Unbekümmert um den Tadel wie um den Ruhm derspätem Zeiten, genießt er was er findet, verzehrt was erhat, und dient um genießen und verzehren zu können. DerGlan; eines kurzen Tages hat mehrere Rci-ung für ihn,als der größte Dank des spätesten Jahrhunderts, und daSGlück mit Sechsen fahren zu können, ist ihm köstlicher, alsdie Ehre eines marmornen Denkmahls. Das ist die kurzeGeschichte, und nun erwege- ob die Sitte der vorigen oderder jetzigen Zeiten die beste sey?
In bcyden Fällen kömmt cs auf die Befriedigung einerChrbegierde an. Aber die erster« Art der Befriedigung istdem Staate unstreitig weit nachtheiliger als die letztere.Erstere führt zu fortwährenden Verschwendungen, großenBesoldungen, schädlichen Zerstreuungen, und einem sittli-chen Verderben; anstatt daß die letztere nichts als einewahre Größe im Leben und einen mäßigen Aufwand nachdem Lode erfordert.
Sicher würkt auch die Ehre, bey der Nachwelt in einemgesegneten Andenken zu seyn, stärker, als ein Srern, Bandoder Titel, womit ein kleiner Fürst oft einen noch kleinernDiener beschenkt. Wir sehen es an den Gelehrten, welchenman die Pedanterey für ihren Nachruhm zu arbeiten ver-zeihet; wie vieles opfern diese von ihrer Ruhe, von ihrerGesundheit, und von ihrem Vermögen nicht auf, um durch«in unsterbliches Werk ihren Namen auf die Nachwelt zuMösers parr. Phanms. H. Th. T brin-