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2 (1778) Patriotische Phantasien
Entstehung
Seite
191
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An einen Officier. 19:

Derjenige Staat würde auch sehr unglücklich scyn, derpicht mehrere und viel mehrere Männer von Verdiensten be-säße, als er belohnen könnte; und bey dieser Voraussetzungwürde es doch immer für sehr viele Menschen unangenehmseyn, sich Vorsteven zu müssen, daß die Belohnten auch dievorzüglichsten unter allen wären, und jedes Ordensbandauch den besten Ritter bezeichnete. Jetzt können diese zuihrer Beruhigung denken, das Glück und nicht das Ver-dienst hat diese erhoben; oder mit dem Dichter sprechen:hier deckt ein grosser Stern ein kleines Herz. AlleiriMnnalles nach Verdiensten giengs: so fiele diese so nöthige Beru-higung ganz weg, und der Schuster der mit aller Zufrie-denheit an seinen Leisten klopft, so lange er fich schmeichelnkann, daß er ganz etwas anders als der Frau Burgemeiste-rin ihre Pantoffeln flicken würde, wenn Verdienste in derWelt geachtet würden, könnte unmöglich glücklich seyn.

Lassen sie also, liebster Freund! Ihren schwermerischenGedanken von der Glückseligkeit eines Staate fahren, wo-rinn alles nach Verdiensten gehen sollte. Wo Menschenherrschen und Menschen dienen, ist Geburt und Alter, oderdas Dienstalter immer noch die sicherste und am wenigstenbeleidigende Regel zu Beförderungen. Dem schöpferischenGenie, oder der eigentlichen Vinü, wird diese Regel nichtschaden; aber eine Ausnahme von dieser Art ist sehr selten,und.wird auch nur schlechte Herzen kränken.

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