i6a Schreiben der Schneider
daß ich glaubte, es würde den großen Herrn, die so vieleAchtung für Handel und Gewerbe haben, und solches aufalle Weife in Flor zu bringen suchen, unmöglich auch nureinmal einfallcn können, das Handwerk vollends um alleEhre zu bringen, oder welches einerlei) ist, ihre Ehre der-gestalt zu erweitern, daß sie aufhöret Ehre zu scyn. Dochich hoffe noch eins. In Spanien, wie mir unser Bürger-meister erzählt, hat der Ackersmann und der Schinder aucheinerlei) Ehre gehabt, und der Pflug ist darüber ganz stehengeblieben. Endlich aber hat der König, Philipp der Dritte,allen und jeden, welche den Pflug in die Hand nehmenwürden, nicht allein eine völlige Freyheit von allen Scha-tzungen und dem Kriegsdienste, sondern auch den Adel —jedoch vergeblich angeboren ->), und hoffentlich wird manin Deutschland diesem großen Exempel folgen. Das einzige/was ich sodann besorge, ist dieses, daß wenn der Adel sol-chergestalt zur gemeinen Ehre wird, man über fünfzig Jah-re darauf fallen werde, solchen allem was von Mutterleibeächt oder unächt gebohren wird, ebenfalls mitzutheilen; unddann sey Gott dem armen Staate gnädig! Er wird dieHandwerker mit baarem Gelbe aufmuntern müssen, undder Fürst von der Ehre, wodurch die Menschen sich, sonstso ziemlich wohlfeil leiten lassen, gar keinen Gebrauch ma-chen können.
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