Druckschrift 
2 (1778) Patriotische Phantasien
Entstehung
Seite
146
Einzelbild herunterladen
 

146 Gedanken

sprung an bewiesen; sie hat manches Fest verordnet undauch wiederum abgestellet, nachdem es die Bedürfnisse ihrerKinder erfordert, und dieser ihre Pflicht ist es, ihre Weis-heit sowol im Geben, als im Nehmen zu verehren.

Da sehr viele dieses nicht genung erkennen und unsre ge-genwärtigen Zeiten, die noch kein einziges Fest zur Freudeverordnet, wohl aber viele abgeschaffet haben, einer bcson-dern Härte beschuldigen: so wird cs vielleicht manchem zumTröste und zur Beruhigung gereichen, wenn wir über diemütterliche Oekonomie, welche die Kirche mit ihren Festenvon Zeit zu Zeit gehalten, eine kurze Betrachtung anstellen,und solche unfern Lesern vorlegen.

Die Feste, welche wir bis dahin geschert haben, sindnicht alle von Anfang an und auch nicht alle sogleich vonder ganzen Kirche gefeyert worden. Das Fest der heiligenDreyfaltigkeit ist zuerst im zwölften, das Fronleichnams-fest im drcyzehnten und das Fest der Heimsuchung Mariäim vierzehnte» Jahrhundert, so wie andre früher oder spä-ter eingeführt, und erst nur in einigen, nachher aber inmchrern Landern gefeyert worden. Das Heyl der Men-schen war hierinn der Kirche einziger Führer, und nachdem«ine außerordentliche Gefahr überstanden, oder die Kircheeines besonder» göttlichen Schutzes genossen hatte, oderauch nachdem es Zeit, Sitten und Umstände nützlich und noth-wendig machten, verordnete sie Feste, und erlaubte demje-nigen, der es thun konnte, seine ganze Zeit in heiliger Freu-de zuzubringen. Nach ihrem Wunsche mögte unsre ganzeLebenszeit nur eine Feyer, und unsre Beschäftigung nichtswie Gottgefällige Freude seyn.

Allein, so lieblich auch diese ihre Wünsche sind: so hatsie sich doch oft, durch eine noch höhere und edlere Liebe be-wogen gesehen, ein Fest wiederum einzuzirhen, was sie unter

am