2Zo Schreiben eines reisenden Gasconierö
Kirche gehen, und sich nicht einmal davon träumen las-sen; daß die zehn Gebote mehr als hundert Jahr ausder Mode sind.
Bey einer solchen Lebensart, und in einem Lande,worinn, wie ich vermuthe, Mann und Frau noch in ei-nem Bette schlafen, ist es wohl kein Wunder, daß auslanger Weile des Jahres viele Kinder erzeugt werden.Mich wundert nur, daß Euer Wohlehrwurden nicht aufjeder Quadratmeile eine ganze Million gefunden haben.Allein, ihre Kirchfpielsschule mag sich so gut dabey ste-hen , als sie immer will: so danke ich für ein Land, wo-rinnn mau nichts als Gesundheit und Arbeit kennet, undohne Lecir 38 verdauen muß. Ich nehme aus demselbennichts als einen rohen Schinken und ein Stück Pumper-nickel mit, um es die Pariser für Geld sehen zu lassen.
Ich will Ihnen nächstens eine Rechnung schicken, wieviel Thoren sich in andern Ländern auf jeder Quadrat-meile finden; und da sollen Sie sehen, wie sehr Sie dieBilanz gegen sich haben. Bis dahin begnügen Sie sichder einzige in ihrem Kirchspiel zu sevn, den ich auf meinerWunderreise einiger Aufmerksamkeit gewürdiget habe.
Geschrieben auf der Reise.
N. S.
Apropos, noch eins! In ganz Wesiphalen habe ichkeine Obstbäume an der Heerstrasse gefunden; und ichhabe mich würklich oft darnach umgesehen, weil ich hung-rig war. Wie ist es aber möglich, in einem so wesent-lichen Stücke zu fehlen? Sollten sie nicht überall Dat-teln- Pignolen- Capern- Oliven und Feigenbäume stehenhaben? Sollte jedes Dorf nicht angewiesen seyn, einenZuschlag für Melonen zu machen? Wahr ist es zwar, inmanchen niederjachsischen Gegenden sehen die Obstbäume
an