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1 (1928) Die Familie Hertmanni
Entstehung
Seite
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Zwei wurden in jedem Bett untergebracht und die Schularbeitenmußten der Reihe nach an einem kleinen Tischchen gemacht werden.Erst als der im Erdgeschoß des Hauses der Tante wohnende MajorBerkenkamp mit seiner Frau ins Nebenhaus übergesiedelt war,konnten sich die 9 Kinder etwas mehr ausdehnen. Immerhin warkeine Rede von solchen Ansprüchen, wie sie die heutige Jugend stellt.Noch als Sekundaner bekam ich 4 Psg. Sonntagsgeld, aber nicht indie Hand, sondern in die Sparbüchse. Sehr gut erinnerlich ist mirnoch, daß gelegentlich der Mörser Kirmes die Inhaberin eines Spiel-warenkrams, an dem die billigsten Sachen 15 Psg. kosteten, als ichstundenlang gestanden und die Herrlichkeiten bewundert hatte, zumir sagte:Geh weg, Junge, du kaufst doch nichts." Die Kirmesdauerte 4 Tage. Ich bekam am ersten Tage 4 Pfg., an jedem folgen-den 2 Pfg., also in Summa 10 Pfg., und dafür konnte ich leidernichts kaufen.

Im Übrigen konnten wir uns in dem großen schönen Haus derTante Pütz ordentlich austoben, unsere Muskeln kräftigen durchRudern auf dem Stadtgraben, Schlittschuhlaufen im Winter undMoorbäder in dem schlammigen Kanal der Mörse im Sommer,lauter Freuden, die nichts kosteten. Da es an anderen Ablenkungenfehlte, hatten wir ein sehr schönes und harmonisches Familienleben,das besonders abends nach dem Essen im Zimmer der guten, vonuns allen hochverehrten und stets gütigen und freundlichen TantePütz sich entfaltete, wenn diese an Winterabenden ihr Spinnradhervorholte und fürihre" neun Kinder mit 70 Jahren noch so vielLeinenfäden spann, daß jedes der Kinder davon einige Serviettengewebt bekam. Punkt halb 10 Uhr sagte die Tante:Iulchen, hole dieBibel", und dann wurde ein kurzer Abschnitt aus dem Buch derBücher vorgelesen, die übrigen Familienglieder gingen zur Ruheund die Gymnasiasten noch an ihre Bücher und Schularbeiten.Herbst 1876 machte ich mein Abitur, wurde vom Mündlichen befreitund trat mit meinem Gönner, dem Vater meines Freundes Willyvon Mons, eine Reise nach Wien, Budapest und ins Salztammergutan, die feudalste Reise meines Lebens, stets erster Güte. Der DienerTheodor sorgte für Gepäck und alle Bequemlichkeiten und ich wurdegenau so gehalten wie der Graf Willy auch ....

Ziemlich groß war der Abstand, als ich dann in Bonn in derBonngasse 24, Hinterhaus, 2 Treppen hoch meine bescheidene Budebezog ... Im Herbst 1878 ging ich nach bestandenem ?by8icumnach Freiburg i. B., wo ich auch meine militärischen Pflichten er-füllen wollte, aber wegen Krampfadern und Überangebot von Frei-willigen abgelehnt wurde. Im Februar 1881 machte ich Staats- undDoktorexamen und ließ mich dann in St. Goarshausen als Arztnieder. Im Dezember 1881 siedelte ich nach Elberfeld Uber, wo ichmich im Arbeiterviertel niederließ und schon nach einem Jahr einerecht ausgedehnte Tätigkeit hatte, so daß ich im Februar 1883wagen konnte, mich zu verloben. Am 25. 9. 1883 heiratete ich, und