Von schrifll. und mündl. Unterricht. 193
Verfasst. Ehe aber ausgemacht worden ist, ob einVerfasser wirklich so geschrieben hak, als wir in seinerSchrift lesen, kam, man sich nicht auf sein Zeuzniß ver,lassen, und wenn sie geschichtliche Gegenstände belrift,kann man den Verfasser nicht ehe als Gewährsmanndafür ansühre».
Diese Untersuchung kann sich über die Aechtheit ei,nes ganzen Buchs, oder einzelner Stellen daraus er,strecken, und ist desto nothwendiger, je häufiger ehedemder Fall vorkam, daß einzelne Stellen verfälscht, »derganze Schriften einem Verfasser fälschlich beygelegkwur,den. Alle Abschriften eines Buchs, wurden theilS vondem ersten Exemplar, oder von andern Abschriften grr„ommen, und mußten daher bald in vielen Stellen be,nächtlich von einander abweichen. 2» später« Zeitenverglichen die Criliker die verschiedenen Handschriften,und sammelten die Varianten oder abweichenden Lesar-ten > Diese waren zur Berichtiguug des Textes noch,wendig, und wurden seit der Erfindung der Buchdrucker-kunst dazu mit gutem Erfolge angewendct, obgleich nochvieles in diesem Fache zu chun übrig ist.
Wer sich diesem Geschäfte widmen will, muß erst,lich die verschiedenen Ursachen kennen, wodurch Wer,fälschungcn von einzelnen Worten und ganzen Stellen,oder Einschiebung fremder Sähe entstehen konnten. Di«hauptsächlichsten dieser Ursache» sind:
1 ) Die ,Nachlässigkeit der Abschreiber. Viele schrie,ben blos für Geld ab, andere wie z. B. zur Zeit desMittelalters in manchen Klöstern) trieben diese Arbeitals eine aufgelegte Strafe. Daher übersahen sie öftersetwas in den alten Manuftripren, weil ste sich eilten.