176 Von der Prüfung der Zeugnisse.
falsch zu halten. Je weniger dieses der Fall ist. destomehr wächst die historische Glaubwürdigkeit.Wenn gar kein Grund vorhanden ist, weswegen man«in Mißtrauen in ein Zeugniß sehen sollte, so entstehtvöllige historische Glaubwürdigkeit, oder historische Ge>wißheit. Diese gilt so viel, als eigene Erfahrung. Wirglauben z. D. daß ein Cäsar in Rom gelebt hat, Dik-tator war, und die meisten seiner Thatcn mir eben derGewißheit, als wenn wir ihn selbst dort gesehen hät-ten , und Augenzeugen von seinen Thaten gewesen wä-ren; weit weniger gewiß sind einige Umstände seinesTodes und mehrere Begebenheiten, die kurz darauf ge-folgt sind.
Die historische Erkenntniß, oder die Erkenntnißdurch Zeugnisse anderer Menschen hat einen sehr gro-ßen Umfang. Sie begreift alles, was ehemals gesche-hen ist und noch geschieht, und nicht unmittelbar durchunsere Slnne wahrgenommen wird. Daher ist dieUntersuchung Mer die verschiedenen Grade der Glaub-würdigkeit solcher Zeugnisse sehr wichtig. Die Schwie-rigkeiten und Hindernisse, die bey Erfahrungen vongewisser Art im Wege seyn, und das Zeugniß für die-selben verdächtig machen können, sind von mancherleyArt. Die Zeugen wissen öfters den Verlauf der Be-gebenheit selbst nicht genau, oder haben sich bey derBeobachtung geirret, oder manchen wichtigen Umstandwieder vergessen, oder wissen sich auch nicht bestimmtdarüber auszudrücken, kurz es fehlt ihnen an der Fä-higkeit, eine Begebenheit richtig aufzufasscn oder ander Geschicklichkeit, ihre Erfahrungen bestimmt darzu-stellen. Daher die Erzählungen der Alten von Orai