146 Von Vermeidung der Jrrthümer.
ohne auf die Sache selbst zu sehen, nicht bey dem blo-ßen Buchstaben stehen bleiben, sondern auf den Geistsehen. Wer sich nur eine Art des Ausdrucks geläufigmacht, denkt oft, er lese oder höre etwas anders, wenner denselben Gedanken mit andern Worten ausgedrück!findet. Man gewöhne sich daher, interessante Gedan-ken auf verschiedene Art einzukleiden, und bald in dmser, bald in einer andern Wendung darzustellen. Diesenützliche Uebung zum Selbstdenken verhütet Einseitig-keit, entwöhnt den Geist von dem schädlichen Hange,in bloße Formeln, die ihm geläufig sind, zu vieleWichtigkeit zu sehen, und sich in leere Wortstreitigkei-ten zu verlieren. Wie manche irrige Vorstellung blosdadurch berichtigt werden könnte, bedarf keiner weiternAusführung.
7) Oft ist es nöthig und nützlich, Worte ausfremden Sprachen einzuführen, wenn keine passendeund bestimmte Ausdrücke vorhanden find, die dasselbesagen: oft können auch durch Zusammensetzungen oderähnliche Construetivn mit andern gewöhnlichen Wortenneue Ausdrücke gebildet werden, die zur Bereicherungder Sprache dienen, und mehr Mannigfaltigkeit undAnmuth in die Darstellung bringen. Besonders kön-nen bey der Cultur ncü entdeckter Zweige von Wissen-schaften neugeformte Kunstausdrücke nicht immer ent-behrt werden. Nur müssen sie dem Genius der Spra-che gemäß geformt, und von dem, der sie zuerst braucht,erklärt werden. Wer aber dieses unterläßt, oder ohne !Noth sonderbare und neue Worte in eine Sprache ein«führt, wo schon verständliche Ausdrücke vorhandensind, die dasselbe bedeuten, oder Zusammensetzungen