Druckschrift 
Erste Grundlinien der Logik
Entstehung
Seite
75
Einzelbild herunterladen
 

75

Von den Vernunftschlüssen.

muß ein rechter Winkel entstehe». Gesetzt es wird nunbewiesen, daß in einer gewissen Figur ein rechter Win»kel ist, so läßt sich schließen, daß seine Schenkel senk»recht auf einander sichen. Denn dieses ist die noch»wendige Bedingung bey der Entstehung der rechtenWinkel.

Zweytens darf man bey den verneinenden Hy»pathetischen Schlüssen nicht allgemein sagen: wenn dieBedingung nicht statt findet, so kann die Folge nichtstatt finden. Dieses fließet aus der so eben angegebe-nen Ursache, weil eine Folge auf mehrerley Art entsterhen kann. Z. D. wenn Feuer im Ofen ist, so ist dieLuft im Zimmer erwärmt- Es läßt sich daraus nichtschließen, daß, wenn kein Feuer im Ofen ist, die Luftauch nicht erwärmt seyn könne (da die Sonne, oder sonstein Feuer dieses auch bewürken kann). Auch hiergilt die vorige Ausnahme, daß man, wenn die Be-dingung nothwendig zum Bedingten gehört, von demMangel der ersicrn auf das Nichtdaseyn des letztemschließen darf. Z. D- nur wenn der Mensch tugend-haft lebt, kann er mit sich selbst zufrieden seyn, Sem-proniuö lebt nicht tugendhaft, also kann er nicht mitsich selbst zufrieden seyn.

Die hypothetischen Schlüsse können auch in un-bedingte, oder kategorische verwandelt werden, wie auseinigen Beyspielen erhellen wird.

Wenn der menschliche Geist es» vernünftig sittlichesWesen ist, so ist er unsterblich,aber er ist ein vernünftig sittliches Wesen,also ist er unsterblich.

Dieses categorisch ausgedrückt: