Aesthetik. 229
tröffe» wirb. Es giebt »emlich einM ausgebreite-ten GesHmack, der sich über alle Arten des Schönender Natur und der Kunst erstreckt; «inen eingeschränk-ten, einseitigen G-eschmack, der nur für die eine«der die andre Gattung von Natur - und KunstschönheitenAnlage hat; einen großen Geschmqck, der Empfäng-lichkeit für die hdhern Arten des Schönen, besonders fürdas Große und Erhahene— und einen kleinen Ge-schmack, der nur.für artige Kleinigkeiten, Tändeleien,SubtilitLten und Spitzfindigkeiten des Witzes, oder blosfür Niedlichkeit in Formen, Farben u., s. w. Sinn besitzt.Dem feinen Geichmacke, der nicht nur die verborgener»Schönheiten aufzusinden, sondern quch die Grade derSchönheit richtig zu schätzen weiß, ist der grobe oderjkumpfe Geschmack entgegengesetzt,
§- 29 Z.
Den Geschmack bilden heißt die Anlage»und das Vermögen desselben wecken, üben, verfei-nern, und zur Fertigkeit und Leichtigkeit in richtig-rBeurkheilung des Schönen jeder Art erhöhen. Die-se Geschmacksbildung geschieht vorzüglich durch dasfrühe und anhaltende Studium guter. Geschmacks-muster und der von diesen abgezogenen Ge-schmacksregeln (§. 288.). Dem gebildetenGeschmacke steht der rohe, und dem richtig ge-bildeten der verdorbene, falsche Eesch machentgegen.
Der Geschmack wird verdorben und bekommteine falsche Richtung, sowohl bey einzelnen Men-schen, als bey ganzen Nationen, durch allerlei Fehler derErziehung, Vorurtheile des Ansehens, blinde Anhäng-lichkeit am Alten ^ Eingenommenheit für das Neue, Hangzum Sonderbaren» blinde Nachahmungs - und Modisucht,falsch gewählte schlechte Muster» durch unrichtige, mis