4. Sey gefällig.
Ein gefälliges Benehmen ist ein Empfeh-lungsbrief bey Fremden und ein Siegel derFreundschaft bey Bekannten.
Gefälligkeit macht einen Obern liebens-würdig, unsers Gleichen angenehm, und«inen Geringer» beliebt.
Erweise Niemanden Gefälligkeiten biszur Sättigung, er wird sonst Eckel bekommen;sondern zeige mehr, als du gibcst; laßübrig, damit er verlange.
Erweise dem schönen Geschlechts beyjeder Gelegenheit alle die feinen Gefällig-keiten, die es, durch Natur oder Conven-tion berechtigt, von dem Manne fordernkann. Diese Art von Gefälligkeiten ist eineTugend des geselligen Lebens; allein siewird zum Fehler, wenn sie zur herrschendenNeigung im Umgänge beydcr Geschlechterwird, weil man dadurch allmählich gewöhntwird, bloße Naturreitze, anstatt des Wer-thes der Persönlichkeit, an einander zu schät-