Druckschrift 
Erika : eine Tragödie
Seite
55
Einzelbild herunterladen
 

55

Adelaide.

Mein Pflichtgefühl trieb mich ihr nachzugehn.

Zu jenem Teich hin, n>o der böse FeindJedwedem, der ihn anruft, nachts erscheint —

Ich schlich ihr nach und betete voll Brunst:

O Herrgott, wend' die ganze TeufelskunstDer bösen Erika in Heil und SegenUnd schütze meine Kais'rin allerwegen!

Kaiserin.

Da fand'st du Erika in Kaisers Arm?

Adelaide.

Ach, könnt' ich sagen: nein! — daß Gott erbarm'!

Kaiserin (auf den Thron steigend).

Hört mich: wer kennt von euch den Ort, Vasallen,Nicht weit von unserm Park, am stillen Teich?

Großinquisitor.

Als Eu'r Großinquisitor hier im Reich,

Kenn' ich den Ort am gründlichsten von allen.

Es ist ein gänzlich unkanon'scher Ort,

Und nachts um zwölf geht um der Teufel dort.

Kaiserin.

Und hat dort jemand nachts ein Stelldichein?

Großinquisitor.

Dann ist der Jemand, sozusagen, mein,

Dieweil dann der Verdacht sehr nah gelegt,

Daß er mit Beelzebuben Umgang pflegt.

Kaiserin.

Wenn's aber jemand weiblichen Geschlechts?

Großinquisitor.

Dann tut's mir doppelt leid für die Person.

Nach Paragraphen vier des HexenrechtsIst jedes Weibsbild eine Hexe schon.

Die nachts an solchem Ort ihr Wesen treibt,

Weil sie's gewiß dann mit dem Bösen treibt.