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1 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
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dessen Erkenntnißvermögen ungebildet und unrichtig ist, derweder den Zweck seines Daseyns, noch die dadurch bestimm-ten Rechte und Pflichten kennt, oder davon unrichtige Be-griffe hat, kann unmöglich sittlich gut handeln. Dem Wol-len muß das Erkennen vorausgehen, weil jenes durch diesesbestimmt wird. Wer daher in sich und anderen den Entschlußzur Tugend erwecken, und diese erwerben will, muß dieErhaltung, Erweiterung und Befestigungrichtiger Kenntnisse zu seinem fortwährenden Augen-merke machen. Die nothwendige Berichtigung und Berei-cherung unsers Erkenntnißvermogens, diese Erkenntniß desWahren und Guten, um hiernach auch zu wollen und zuüben, was recht und gut ist, wird nicht durch einen bloßauf das Gedächtniß berechneten Unterricht erzielt, sondern mußdas Werk einer lebendigen Überzeugung seyn, die den Ver-stand allmählig mit habituellen Leitungsbegriffen versieht, durchdie er in allen Verhältnissen mit Leichtigkeit und Sicherheit zuurtheilen und zu entscheiden vermag. Hat der Mensch dasWahre und sittlich Gute erkannt, so hängt es von seiner Frey-heit ab, dasselbe auszuüben oder zu unterlassen. Einen mäch-tigen Einfluß auf das Begehrungsvermögen äußern die Ge-fühle der Lust und Unlust. Wäre es unmöglich die Macht die-ser Gefühle, der sinnlichen Neigungen und Triebe zu beschrän-ken, wäre es unmöglich sie dem Gesetze der Vernunft zu un-terwerfen, so wäre es auch um die moralische Freyheit desMenschen geschehen. Allein die Erfahrung lehrt uns, daß esÜberlegungen und Vorstellungen gibt, durch welche wir den Ge-fühlen und Begierden Einhalt, und dem Gefühls - und Be-gehrungsvermögen eine für die Moralität günstige Richtungertheilen können. Die wirksamste Vorstellung dieser Art ist derGedanke an des Menschen moralische Würde und an seine hoheBestimmung. Wer sich frühe gewöhnt hat, das Slttengesetzim Auge zu haben, wer sich richtige und lebhafte Begriffe vondem, was pflichlmäßig und pflichtwidrig ist, erworben, unddurch einr frühe Bildung seiner Seelenkräfte die verschiedenen