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1 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
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Mein nur jene erstere ist Tugend im strengeren Sinne, oderTugendhaftigkeit/ weil das Sittengesetz sich nicht mit einzelnensittlichen Handlungen begnügt/ sondern Sittlichkeit in allenEntschließungen und Handlungen fordert, und dem Menschenein in jeder Hinsicht sittliches Wesen zu seyn gebiethet. Nurdurck diese allseirige und gleichmäßige Erfüllung des Sittenge-setzes erscheint das innere geistige Leben des Men-schen als ein harmonisches und vollkommen in sich abgeschlos-sene» Ganze, und nur dadurch verdient er den Nahmen einesTugendhaften. Aber nicht die Menge der von ihm ausgeübtenpflichtmafiigen Handlungen, und eben so wenig ihre gemein-nützige Wirksamkeit bestimmen den Werth seiner Tugend ; dennweder die Gelegenheit Gutes zu üben, noch der Erfolg seinerHandlungsweise liegen stets in seiner Gewalt. Die Große derTugend, die sittliche Güte des Charakters eines Menschen hängtvon der Reinheit und Wirksamkeit der Triebfeder ab. Je we-niger diese auf das pathologische Interesse Rücksicht nimmt, jesiegreicher sie aus dem Kampfe mit den sinnlichen Neigungenhervoraehl, je ununterbrochener und allgemeiner sie sich äu-ßert, und je mehr sie sich zur subjektiven Fertigkeit d. h. zuranstrengungslosen Ausübung aller Pflichten erhebt, desto tu-gendhafter ist der Mensch.

tz. 17.

So wie die Tugend in der absichtlichen, mit Freyheit un-ternommenen Befolgung des Sittengesetzes besteht: so ist dasLaster nichts anderes als die vorsätzliche Außerachtlassung undÜbertretung des Sittengesetzes und seiner Gebothe. Die La-sterhaftigkeit d. i. die entschiedene Richtung des Menschen,überall, wo die Sinnlichkeit mir der Vernunft in Widerstreit ge-rälh, den Antrieben der ersteren zu folgen, ist also der Tu-gend geradezu entgegengesetzt, und schließt die letztere in einemund demselben Subjecte aus. Dieses gilt jedoch nur von derTugend- und Lasterhaftigkeit, nicht von einzelnen tugendhaf-ten und lasterhaften Eigenschaften; denn in einem und dem