^er'Mensch ist ein sinnlich vernünftiges Wesen, dessen Ge-fühle, Neigungen und Strebungen mit den Resultaten seinerÜberlegung als eines denkenden Geschöpfes gar oft im Wider-spruche sind. Jedem sagt sein Bewußtseyn, daß es angenehmist, sich seinen Neigungen hinzugeben, aber jeden belehrt aucheigene oder fremde Erfahrung, daß dieses nicht unbedingt ge-schehen dürfe. Nur das Thier wird ausschließend durch Triebeund Begierden, die durch den Reiz des Angenehmen erregtwerden, zur Thätigkeit bestimmt, und in den Äußerungen der-selben geleitet. Die Resultate mancher traurigen Erfahrungenhaben den Menschen zu der Überzeugung geführt, daß er seineGefühle und Neigungen nicht rücksichtslos befriedigen, und dieernste Stimme der gesetzgebenden und richtenden Vernunftnicht überhören dürfe.
§. 2 .
Von den Lockungen der Sinnlichkeit zur Befriedigungunserer Neigungen angespornt, und von der Vernunft ernstgebiethend erinnert, daß die Art und Weise, so wie das Maßdieser Befriedigung, und ob sie über^gupt Statt haben dürfe,ihrem Ausspruche unterzogen werden müsse, entsteht ein Zwie-spalt im inneren Wesen des Menschen, ein Widerstreit seinersinnlichen und vernünftigen Natur, der nur durch die bestimmteAusmittlung des Verhältnisses, in dem die Vernunft zu demGefühls - und Begehrungsvermvgen und zu den Handlungen
X 2