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1 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
Entstehung
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entstehender Hang überall Unglück zu sehen. Der Melancholi-sche liebt die Einsamkeit, verliert sich in stillem Brüten, istmißtrauisch und furchtsam, lebenssatt, unveränderlich in Haßund Liebe, bey schwacher Reizbarkeit der sinnlichen Empfindungunzugänglich für äußeren Schmerz, und stets voll gespannterAufmerksamkeit.

Zu den widernatürlichen Zuständen des Gemüthes gehörenrücksichtlich der Stärke des Gefühles überhaupt alle Affecte,in so ferne durch sie der freye Gebrauch der Vernunft zeitweiseaufgehoben erscheint. Insbesondere wollen wir hier nur derTollheit und Raserey, als der mit Verrücktheit verbun-denen , oft wiederkehrenden und lange dauernden Affecte desgrundlosen Menschenhasses und leidenschaftlicher Feindseligkeiterwähnen.

§- 7 -

Krankheiten des Begeh rungsvermöge ns.

Da es ein rein sinnliches, ein sinnlich verständiges, undein intellectuelles Begeh rungsvermögen gibt: so lassensich auch die widernatürlichen Zustände auf gleiche Weise ein-theilen.

Zu den widernatürlichen Zuständen des thierischen Begeh-rens rechnet man die widernatürlichen Gelüste undVerabscheuungen. Zu jenen des sinnlich verständigen Be-gehrens die Leidenschaften, in so ferne sie den Menschenin dem freyen Gebrauche seiner Vernunft beirren. Dieses ge-schieht nun durch den beygemischten Wahn, welcher die Vor-stellung für die Sache selbst hält, wie z.B. der Geizige sich andem Gedanken ergebt, daß er alles für sein Geld haben könne,obgleich er bey der angenommenen Maxime, kein Geld auszu-geben, diese Vorstellung nie zu realisiren vermag; und durchdie Schwäche der Vernunft, die sich in der Wahl unzweck-mäßiger Mittel offenbart. In dieser Beziehung lassen sichThorheit und Narrheit unterscheiden. Die erstere charak-terisirt sich dadurch, daß sie in werthlose Dinge Werth setzt.