und als ich es zum Geschenk erhielt, wollte es mir in seinerlebensvollen Größe wie ein schöner Traum erscheinen. Ele-gant gesattelt und gezäumt, hatte es das natürliche kindlich-rauhe Fell eines Fuchs-Ponys — es war wohl ein Fuchs-Pony in ausgestopstem Zustande — und die treuherzigstenGlasaugen von der Welt. Nicht aus Rittersinn liebte ich es,das weiß ich wohl, sondern aus Sympathie mit der Kreatur,mit seinem Fell, seinen Husen und Nüstern, — wie ich dennauch im Lause der Kindheitsjahre mich mit vielen Hundenbeschenken ließ, aus Porzellan, Papiermache und Biskuit,Möpsen, Teckeln und Jagdhunden, die ich mit Atlasscha-bracken, Flicken aus den Beständen der Schwestern, zuschmücken liebte.
Bei alldem ist wohl kein Zweisel, daß ich meine schönstenStunden unserem Puppentheater verdankte, das schon meinemälteren Bruder Heinrich gehört hatte und dessen Dekorationendurch ihn, der gern Maler geworden wäre, um viele, sehrschöne selbstgemalte vermehrt worden waren. Die Art, wieich dieses Kunslinstitut leitete, habe ich ausführlich in einermeiner ersten Novellen („Der Bajazzo") beschrieben, undauch in Hanno Buddenbrooks Lebensgeschichte spielt es seineRolle. Ich liebte dies Spiel so sehr, daß mir der Gedanke,ihm jemals entwachsen zu können, unmöglich schien. Ichfreute mich daraus, wenn ich die Stimme gewechselt habenwürde, meinen Baß in den Dienst der sonderbaren Musik-dramen zu stellen, die ich bei verschlossenen Türen zur Auf-führung brachte, und war empört, wenn mein Bruder mirvorhielt, wie lächerlich es sein würde, wenn ich als baß-singender Mann noch vorm Puppentheater sitzen wollte.
So viel von meinem Spielzeug. Aber ich darf sagen, ichbedurfte zum Spielen des Apparates nicht, sondern war mir