Ich entwich damit nach München, wohin nach demTode meines Vaters, der Inhaber einer Getreidefirma undSenator in Lübeck gewesen war, meine Mutter ihrenWohnsitz verlegt hatte; und da ich immerhin Anstand nahm,mich sofort und offenkundig dem Müßiggang zu überlassen,so trat ich, das Wort „vorläufig" im Herzen, als Volontärin die Bureaus einer FeuerversicheriingSgesellschaft ein. Stattaber bestrebt zu sein, mich in die Geschäfte einzuarbeiten,hielt ich es für gut, aus meinem Drehsessel verstohlenerweisean einer erdichteten Erzählung zu schreiben, einer mit Versenuntermischten Liebesgeschichte, die ich dann in einer um-stürzlerisch gesinnten Monatsschrift zum Abdruck gelangenließ, und auf die ich mir wohl gar noch etwas zugute tat.
Ich verließ das Bureau, bevor man mich hinauswarf,gab an, Journalist werden zu wollen, und hörte ein paarSemester lang an den Münchener Hochschulen in buntemund unersprießlichem Durcheinander historische, volkswirt-schaftliche und schönwissenschaflliche Vorlesungen. Plötzlichjedoch, wie ein rechter Vagabund, ließ ich alles liegen undging ins Ausland, nach Rom, wo ich mich ein Jahr langplan- und beschäftigungslos umhertrieb. Ich verbrachtemeine Tage mit Schreiben und der Vertilgung jenes Lese-stoffes, den man den belletristischen nennt und dem einanständiger Mensch höchstens zur Zerstreuung in seinenMußestunden sich zuwendet, — und meine Abende beiPunsch und Dominospiel. Ich besaß genau die Mittel,zu leben und unmäßig viele jener süßen Soldo-Zigarettenzu rauchen, die der italienische Staat verschleißt, und denenich damals bis zur Völlerei' ergeben war.
Gebräunt, mager und in ziemlich abgerissenem Zustandenach München zurückgekehrt, sah ich mich endlich genötigt,