Die deutsche Stunde
^ch komme heute auf Ihren Brief, Ihren Aufruf zurück,den ich mit so viel Zustimmung des Gefühles gelefen habe,— und must mich nun doch viel kürzer fassen, als ursprüng-lich meine Absicht war.
In dieser deutschen Stunde macht Ihnen, dem Schul-mann, die „Deutsche Stunde" Beschwer, — die der Mittel-schule nämlich, die Stunde, während der man unsere Jugendplanmäßig in deutscher Sprache unterweist. Sie finden,daß es schlecht steht um diese Stunde, daß mau pedantisch,kümmerlich, unkünstlerisch zu Werke geht, und die Liebezur Schule läßt Sie auf Besserung, Verbesserung sinnen,begeistert Sie zu hochherzigen Vorschlägen. Sie wollen,daß die „Schule der Sprache" nicht länger den Philologen,oder doch nicht den NichtS-als-Philologen, überlassen bleibe;Sie wollen, daß sie sich Dichkernaturen, sprachschöpferischeNaturen gewinne. Denn nicht die wissenschaftliche Erkennt-nis und Ordnung der Sprachwerte sei Ouelle der Sprache,sondern das Wort lebe durch die Dichter; man müsse derKunst ihre selbständige Wirkung im Leben lassen, und wennschon nicht die Dichter selbst es sein könnten, die unsereJugend Deutsch lehren, so sei mindestens zu fordern, „daß