„Hermann und Dorothea", das herzlichste, biederste,edelste, naivste und stttlichste unter Goethes Gedichten, wieFriedrich Schlegel es nannte, indem er zu weiterer Kenn-zeichnung die heute wohl unmögliche Lobeserhebung „vater-ländisch" hinzufügte — war das hohe Muster, das mirbei der Improvisation meines Gedichtes vorschwebte; mitihm hat es den Hintergrund von großem, umstürzendem Ge-schehen, von Krieg und Völkersturm gemeinsam, und auchin der — um nochmals mit Schlegel zu reden — „liberalen"Bekrachtunggart dieser Ereignisse möchte es ihm nachahmen.Erste künstlerische Gehversuche nach der langen Abstraktionder „Betrachtungen eines Unpolitischen" sind die beidenIdyllen, die vom Kinde, wie die von Tier und Landschaft,Erzeugnisse eines tiefen Bedürfnisses nach Abkehr, Frieden,Heiterkeit, Liebe und herzlicher Menschlichkeit, welche mitder damals literarisch im Schwange befindlichen „Mensch-lichkeit" und „Liebe" nichts zu tun haben wollte, — desBedürfnisses nach dem Bleibenden, Unberührbaren, Un-geschichtlichen, Heiligen, und sofern es mir um die Ver-senkung in dieses Element zu tun war, meinte ich es mitder Idylle und dem Geist des Hexameters wahrhaftig ernst.Trotzdem wird man kaum dag Gefühl gehabt haben, daßder Glaube an die heutige Möglichkeit des Idylls in diesenIdyllen auf sehr festen Füßen stände, und wenn Schlegelsogar schon von „Hermann und Dorothea" meinte, daßauch dort, wo das Gedicht am homerischsten und naivstenscheine, sich ein Bewußtsein, eine Selbstbeschränkung wahr-nehmen lasse, die höchst unhomerisch sei, — so gewinntin meinem sehr späten Fall diese Bewußtheit geradezuden Charakter der Persiflage, wie er etwa in dem hexa-metrischen Halbvers „Wasserstoffsuperoxyd" oder in solchen
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Rede und Antwort : gesammelte Abhandlungen und kleine Aufsätze
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