— 347 —
Als ich meine Nonelle „Tonio Kröger" veröffentlichthatte, schickte mir ein Maler ein hübsches, melancholischesBlatt, worauf ein König in spanischem Mantel dargestelltwar, der auf der Höhe seines Thrones einsam in die Händeschluchzt. Dieser Künstler hatte schon in jener Novelle den„Hofroman" vorgebildet gesehen und hatte „Königliche Ho-heit" verstanden, bevor das Buch geschrieben war, währendunsre Zunftkritik es nicht einmal verstanden hat, nachdemes so prächtig gedruckt worden. Sie zerbrach sich den Kopfdarüber, wie in aller Welt ich wohl auf diesen entlegenenund spröden Stoff verfallen sein möge, — gerade, als obich es je mit einem andern „Stoff" zu tun gehabt hätte,als mit meinem eigenen Leben. Wer ist ein Dichter? Der,dessen Leben symbolisch ist. In mir lebt der Glaube, daßich nur von mir zu erzählen brauche, um auch der Zeit, derAllgemeinheit die Zunge zu lösen, und ohne diesen Glaubenkönnte ich mich der Mühen des Produzierens entschlagen.„Königliche Hoheit" ist nicht irgendein willkürlich gewählterStoff, in welchen mein „Virtuosentum" sich verbiß und ausden meine Unkenntnis kein Anrecht hatte. Sondern indemich, nach meinen Kräften, an dem Streben einiger Wenigerteilnahm, den deutschen Roman als Kunstform zu adeln undzu erhöhen, erzählte ich, auch diesmal, von meinem Leben.
igio