2Äährend man sein Lebenswerk feiert, dieses tief deutsche,tief fragwürdige, von grenzenlos verschlagenem Geisteschillernde Werk, will ich nur von einer Szene sprechen —auch das nicht, ich will nicht darüber reden, ich werde siekaum kommentieren, ich will nur daran erinnern, sie aufeinen Augenblick aus der Welt seiner Gesichte heraus-heben, weil ich nicht weiß, ob man ihrer hinlänglich achtgehabt, und sie mir selbst wieder vor Augen führen, wieich sie vor Jahren einmal — nur einmal — auf demTheater sah. Seitdem ist sie „meine Szene", nichts gehtmir darüber in seinem Werk, nichts hat mich getroffenwie sie, ich denke zuerst an sie, wenn ich an diesen Dichterdenke, und ich nickte zufrieden, als er mir eines Abends,oder gegen Morgen — es sind ja wunderliche Tageszeiten,zu denen man mit ihm plaudert —, als er mir nachts ein-mal zugestand, daß er um dieser Szene willen das Stückgeschrieben habe.
Sie steht im „Marquis von Keith", im fünften Akt,ganz gegen das Ende; es ist die letzte, die Scholz und Keithmiteinander haben. Ich sah das Stück in München, im„Schauspielhaus", mit Wedekind in der Titelrolle. Man