Druckschrift 
Rede und Antwort : gesammelte Abhandlungen und kleine Aufsätze
Entstehung
Seite
201
Einzelbild herunterladen
 

201

war des weitere» die schreckhafte, von Grund aus wunder-liche Geschichte vomrechten Barbier". Das kindischeRiesensräulein fegte da mit den Händen Bauer und Pflugin ihr gespreitetes Tüchlein. Die braven Weiber von Wins-perg trugen ihre Eheherren huckepack zum Tore hinaus.Und kapitelweise, in prompt einander schlagenden Reimen,erstreckte sich das magische Traumgedicht vom Vetter An-selmo und seinem Undank.

Unter all diesen Stücken stand, als der ihres Urhebers,ein fremdlautender Name vermerkt: Chamisso. Und wirfanden ihn wieder auf dem reichen Deckel eines Buches,das wir dem Glasschrank zn Hause im Rauchzimmer ent-nahmen. Darin gab es freilich noch Dinge, wie das freund-liche Schulbuch sie keineswegs aufzuweisen hatte, der-maßen entsetzliche zum Teil wie die Sage von der versun-kenen Burg, unser Leib- und Lieblingspoem lange Zeit, inHinsicht namentlich auf diefreche Buhle", die in der Tatjo frech war, in Schuhen aus feinem Weizenbrot einherzu-gehen, und um so verteufelter erschien uns das Frauen-zimmer, als wir nicht ganz genau wußten, was das sei:eine Buhle. Das sind früheste Eindrücke und Empfäng-nisse, von einer kindlich unvollkommenen Einbildungskraftwunderlich entstellt. Träumten wir nicht, wenn unser Ma-gen verdorben war, pünktlich den Schreckenstraum von denMännern im Zoptenberge? Wir selbst waren es dann,die an Stelle des frommen Johannes Beer aus Schweid-nitz die drei hageren Sünder im schwarz behangenen Saalund bei bleichem Ampelschein am runden Tische fanden:wir sahen den Vorhang klaffen, hinter welchem die Resteihrer bösen Werke, Gerippe und Schädel, gräßlich zu Häuflagen, und wir verstanden eben genug Latein, daß uns die