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Dies Buch, das eine zartere und gütigere Hand, als diesonst waltende, den vorgeschriebenen Lehrmitteln hinzuge-sügt haben mußte, hieß einfach das Deutsche Lesebuch. Eswar uns gegeben einzig und allein zu dem Zweck, damitwir die Sprache, unsere Muttersprache, anschauten — odervielmehr, damit wir sie belauschten, wie sie sich lächelndselber anschaut im Gedicht. Bunt durcheinander vereinigtedas Buch eine Menge guter Geschichten in rhythmisch ge-bundenem und edel ungebundenem Vortrag, und wenn esuns wieder zu Händen käme, — was gilt es? wir wüßtenunsere Lieblingsstücke von damals noch heute ohne vielBlättern aufzuschlagen.
Da stand die schnurrige Ballade von einem, dem's zuHerzen ging, daß ihm der Zopf so hinten hing, — er wollt'es anders haben. Die schelmisch-gravitätische Anekdote vom„Szekler Landtag" stand da, — und es ist uns, als habeihr leichter und unantastbarer Bau aus Terzinen mit demalles so glücklich vollendenden Einzelverse am Schluß unseinen ersten Begriff von Meisterschaft uud Vollkommenheitvermittelt. Das schöne Loblied auf eine alte Waschfraufand sich nicht weit davon, — und was für ein Zauberwar es nur, der uns jedesmal wieder ans Herz griff beimEinsatz der Schlußstrophe: „Und ich, an meinem Abend,wollte . . ."? Zitternde Sonnenkringel, so schien es uns,spielten auf einer gewissen Seite, bemüht, eine verjährteUntat an den Tag zu bringen. Gedehnte Verse erzähltenvon Abdallah mit den achtzig Kamelen. Der Derwischtrat zu ihm (um so gespenstischer in unseren Augen, alswir nicht ganz genau wußten, was das war: ein Der-wisch), und Abdallah ward überreich und zum blindenBettler an einem Tage, durch Schuld seiner Habsucht. Da