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Bühne zu halten, da doch, vernünftig überlegt, die Bühnean sich nichts ist, sondern in jedem Falle nur etwas vor-siellt. Was ist das Theater? Ein Brettergerüst. Dukannst darauf auf den Händen gehen oder ein unsterblichesGedicht rezitieren. Wo gestern Ballettbeine schwirrten,schreitet heute Medea. Das Theater verlangt so viel Ver-gessen, daß man auch noch vergessen mag, was „gestern"war. Das Theater ist eine Gegenwart und hat kein Gestern.Es ist recht häusig nur ein „Lokal"; aber sein Ehrgeiz, einTempel zu sein, wird immer wieder erwachen, und er istgut in seinem Wesen gegründet.
Dag Wesen des Theaters isi die Sinnlichkeit. Aber vonder Sinnlichkeit, der Sinnfälligkeit bis zur Sinnbildlichkeitist nur ein Schritt. Das Theater als symbolische Anstalthat mich oft beschäftigt. Die Anzeichen dafür, daß dasSinnbild der eigentliche Sinn des Theaters sei, sind schonin den tiefsten Gegenden der theatralischen Kunst zu sinden.Man betrachte in diesem Lichte einmal eine beliebte Bühnen-persönlichkeit niederen Ranges, irgendeine populäre Figurhinter der Rampe eines Vorstadt- oder Operettentheaters.Die Münchener zum Beispiel beklatschen „ihre" * * *, diesegedrungene und kreischende Soubrette, die nichts wäre alsdag, wenn sie nicht den Reiz der Echtheit hätte. Sie istein Typus, ein populäres Ideal; sie hat etwas Fürstliches,denn sie ist repräsentativ. Das Volk beklatscht sich selbst,indem es sie beklatscht. Solange sie, der Menge gegenüber,herausgehoben und erhöht, aus den Brettern steht, ist siein der Tat ein Sinnbild.
Aber der Symbolismus des Theaters reicht ja viel weiterund höher. Jede rechte Bühnen- und Schaugestalt großenStils ist ein Sinnbild. Man denke sich den folgenden