Drama als Dichtungsart auch in diesem Zusammenhängezwei Worte zu widmen.
Ich glaube, daß heute über den Begriff des Dramas,nicht nur unter Laien, sondern gerade bei den Hütern undGrenzwächtern der Formen, bei den Theoretikern und Kri-tikern, viel Mißverständnis herrscht. Man liest da etwa,das oder jenes Drama sei keines, sei völlig undramatisch,denn es sei zu lyrisch, biete nicht genug „Handlung", seivor allein viel zu redselig, um für die Aufführung in Be-tracht zu kommen ... Zu fragen, ob diese Einwände denneigentlich stichhaltige Einwände gegen ein Drama als Drainaseien, kommt niemandem in den Sinn. Es scheint, daß voll-kommene Einhelligkeit herrscht in betreff dessen, was eigent-lich „dramatisch" sei. Dennoch ist mindestens sicher, daßeine Wandlung mit der Bedeutung dieses Wortes vor sichgegangen ist, daß man heute etwas damit meint, was ur-sprünglich nicht damit gemeint worden ist, und daß manals undramatisch bezeichnet, was einem früheren Geschmackschlechterdings nicht dafür galt.
Alle Welt übersetzt „Drama" mit „Handlung": unsereganze Ästhetik des Dramas beruht aus dieser Übersetzung.Trotzdem ist sie vielleicht ein Irrtum. Ein Philologie-professor hat mich darüber belehrt, daß das Wort „Drama"dorischer Herkunft ist und nach dorischem Sprachgebrauch„Ereignis", „Geschichte" bedeutet, und zwar im Sinne der„heiligen Geschichte", der Ortslegende, ans der die Grün-dung des Kultus ruhte. „Drama" bedeutet also kein„Tun", sondern ein Geschehen, eine Begebenheit, unddiesen Sinn nimmt das Work auch in dem antikisierendendeutschen Draina wieder an. Unter Schillers Werken istja nicht allein „Die Braut von Messina" sophokleisch