welcher Gelassenheit heute in einer bestimmten psy-chologischen Schule Dinge angeschaut werden, dienoch Schopenhauer als ungeheuere Zumutung und„exorbitantes“ Gedankenwagnis empfand. Wäre dieserSatz, der das „Zustoßen“ als ein „Machen“ entlarvt,ohne Freud denkbar? Nie und nimmer! Er schuldetihm alles. Beladen mit Voraussetzungen, ist er nichtzu verstehen und hätte gar nicht hingesetzt werdenkönnen ohne all das, was die Analyse über Versprechenund Verschreiben, das ganze Gebiet der Fehlleistungen,die Flucht in die Krankheit, den Selbstbestrafungstrieb,die Psychologie der Unglücksfälle, kurz über die Magiedes Unbewußten ausgemacht und zutage geförderthat. Ebensowenig aber wäre jener gedrängte Satz,einschließlich seiner psychologischenVoraussetzungen,möglich geworden ohne Schopenhauer und seine nochunexakte, aber traumkühne und wegbereitende Spe-kulation. — Vielleicht ist dies der Augenblick, meineDamen und Herren, festlicherweise ein wenig gegenFreud zu polemisieren. Er achtet nämlich die Philo-sophie nicht sonderlich hoch. Der Exaktheitssinndes Naturwissenschaftlers gestattet ihm kaum, eineWissenschaft in ihr zu sehen. Er macht ihr zum Vor-wurf, daß sie ein lückenlos zusammenhängendes Welt-bild liefern zu können sich einrede, den Erkenntnis-wert logischer Operationen überschätze, wohl gar andie Intuition als Wissensquelle glaube und geradezuanimistischen Neigungen fröne, indem sie an Wort-
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Freud und die Zukunft : [Vortrag gehalten in Wien am 8. Mai 1936 zur Feier von Sigmund Freuds 80. Geburtstag]
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