Druckschrift 
Freud und die Zukunft : [Vortrag gehalten in Wien am 8. Mai 1936 zur Feier von Sigmund Freuds 80. Geburtstag]
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen
 

Metaphysik ins Psychologische? Und wer nun ohne-dies schon, nachdem er von Schopenhauer die meta-physischen Weihen empfangen, bei Nietzsche dieschmerzlichen Reize der Psychologie gekostet hatte,wie hätten den nicht Gefühle der Vertrautheit unddes Wiedererkennens erfüllen sollen, als er sich, vonAnsässigen ermutigt, erstmals umsah im psychoanaly-tischen Reich?

Er machte auch die Erfahrung, daß die Bekannt-schaft damit aufs stärkste und eigentümlichste zurück-wirkt auf jene früheren Eindrücke, wenn man sie nachsolcher Umschau erneuert. Wie anders, nachdem manbei Freud geweilt, wie anders liest man im Licht seinerErkundungen eine Betrachtung wieder wie Schopen-hauers großen AufsatzUber die anscheinende Ab-sichtlichkeit im Schicksal des Einzelnen! Und hier,meine Damen und Herren, bin ich im Begriff, aufden innigsten und geheimsten Berührungspunkt zwi-schen Freuds naturwissenschaftlicher und Schopen-hauers philosophischer Welt hinzuweisen - der ge-nannte Essay, ein Wunder an Tiefsinn und Scharf-sinn, bildet diesen Berührungspunkt. Der geheimnis-volle Gedanke, den Schopenhauer darin entwickelt,ist, kurz gesagt, der, daß, genau wie im Traume unsereigener Wille, ohne es zu ahnen, als unerbittlich-objektives Schicksal auftritt, alles darin aus uns selberkommt und jeder der heimliche Theaterdirektor seinerTräume ist, - so auch in der Wirklichkeit, diesem