auch nach ihrer moralischen Gesinnung der Schopen-hauerschen! Seine Entdeckung der ungeheueren Rolle,die das Unbewußte, das „Es“ im Seelenleben des Men-schen spielt, besaß und besitzt für die klassische Psy-chologie, der Bewußtheit und Seelenleben ein unddasselbe ist, die gleiche Anstößigkeit, die Schopen-hauers Willenslehre für alle philosophische Vernunft-und Geistgläubigkeit besaß. Wahrhaftig, der früheLiebhaber der „Welt als Wille und Vorstellung“ istbei sich zu Hause in der bewunderungswürdigen Ab-handlung, die zu Freuds Neuen Vorlesungen zur Ein-führung in die Psychoanalyse gehört und „Die Zer-legung der psychischen Persönlichkeit“ heißt. Da istdas Seelenreich des Unbewußten, das „Es“ mit Wor-ten beschrieben, die ebenso gut, so vehement und zu-gleich mit demselben Akzent intellektuellen und ärzt-lich kühlen Interesses Schopenhauer für sein finsteresWillensreich hätte gebrauchen können. Das Gebietdes Es, sagt er, „ist der dunkle, unzugängliche Teilunserer Persönlichkeit; das wenige, was wir von ihmwissen, haben wir durch das Studium der Traum-arbeit und der neurotischen Symptombildung erfah-ren“. Er schildert es als ein Chaos, einen Kessel bro-delnder Erregungen. Das „Es“, meint er, sei sozu-sagen am Ende gegen das Somatische offen und nehmeda die Triebbedürfnisse in sich auf, die in ihm ihrenpsychischen Ausdruck finden — unbekannt, in wel-chem Substrat. Von den Trieben her erfülle es sich
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Freud und die Zukunft : [Vortrag gehalten in Wien am 8. Mai 1936 zur Feier von Sigmund Freuds 80. Geburtstag]
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