Druckschrift 
Thomae à Kempis Bücher Von der Nachfolge Jesu Christi : Auffs neue, nach einer der allerältesten Handschrifften, treulich übersetzet, und an statt des Vierten Buchs vermehret mit denen Göttlichen Hertzens-Gesprächen des Gottseligen Gerlachs, insgemein genandt der andere Thomas à Kempis, nun erstlich verteutschet ...
Entstehung
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Kurtze Nachricht von dem Leben des Autoris.Sonderilch war er gern allein / und mit seinen innerlichen übun-len beschafftiget; wann er etwa zum spatzieren / mit den Brüdern-den Baum=Garten gegangen war / und verspurete / daß ihmGOIT eine sonderbahre Gnade erweisen wolte / so pflegte er zu sagen:Brüder / ich muß wieder nach meiner Zellen gehen / dawartet einer auff mich / nemlich sein Bräutigam Christus.dessen süssen Unterredung und lieblicher Gesellschafft er offters ge-eine Ehrerbietung gegen denselben wurde durch sein holdseligesAnsehen / heiligen Wandel / und guten Sitten gilen / die mit ihmtiengen / gleichsam eingeflosset / und zeugere / daß der Heil. Geistwarlich in ihm wohnete. Es war ein Mann von ziemlich lang-Statur / sullen / heiterem und Englischem Angesicht / freundlichin Worten / friedsam und ruhig in seinem Thun und Lassen; undwas er über dem inwendig verborgen truge.In Widerwärtigkeiten pflegte er zu sagen: Der HERR un-ser GOtt lebet noch. Und in sich selbst; Eyle / daß duvollendet wirst / in kurtzem wirst du abgefordertwerden.Keiner von allen Brüdern redete so frey und klar von himmli-chen Dingen / als er zu thun pflegte / dessen Stimme / alsd einereuschen Turteldauden / Nacht und Tag gehöret ist in dem Landeder Lebendigen; dann mit seinem Geist in den Himmel steigendhat er / als ein recht himmlischer Mensch / die Choren der Engel /mit seiner Liebe und Gemüts=Auge offt besehen und besuchet / vonwelchen er auch hinwiederum öffrers ist besuchet wordenZOtI hat ihn mit sehr heftigen Schmertzen am Stein be-suchet / und durch dergleichen Leyden ihn / wie das Geld imOfen / probieret und geſäutert: in dem Leyden war er nicht / urgedultig / sondern auch danckbar / danckende selbst GOTT in deresten Schmerzenwodurch alle innere Theile seines Leibes / aufdie empfindlichste Weise / durchſchnitten wurden / mit nicht gerinterer Pein / (wie ihm dauchte) als wann alle seine Elieder durch dieSeiter von ihrer Stelle gerissen wurden.Die grosse Krafte seiner innern Liebe überwunde die Hefftigkeitder Schmertzen in ihm; dann wie ein gewisser Novitius [oder Neu-ling im Kloster] deſten Anführer er pflegte zu ſeyn / wann er insolcher peinlichen Kranckheit lege / bißweilen bey ihm stund / undvor Mitlenden weinere / sagte er zu demselben: Lieber / trautenicht uber mich / dann ob gleich meine Leyꝺen dieKräfften der menschlichen Schwachheit scheinen zuübersteigen / dennoch wann ich wüste / daß es zurEhre GOttes gereichen / und deiner Seelen förder-lich seyn solte / würde ich alsbald bereit seyn die-selbe noch einmal auff mich zu nehmen; Siebewelcher Gedult und brüderlichen Liebe hat er seine Seele besessen:Eden dieses wird auch von dem Thomi à Kempis entrichtet.