gangenheit und war überhaupt die geistvolle Schutz-herrin der Folkloristik, die in ihrem farbigen Lichteals eine Abart des Exotismus erscheint. Das Vorrechtvor der Vernunft, das sie dem Emotionellen, auch inseinen entlegenen Formen als mystischer Ekstase unddionysischem Rausch, einräumte, bringt sie in einebesondere und psychologisch ungeheuer fruchtbareBeziehung zur Krankheit, — wie denn noch der Spät-romantiker Nietzsche, ein selbst durch Krankheit insTödlich-Geniale emporgetriebener Geist, nicht genugden Wert der Krankheit für die Erkenntnis feiernkonnte. In diesem Sinn ist selbst noch die Psychoana-lyse, die einen tiefen Vorstoß des Wissens vom Men-schen von der Seite der Krankheit her bedeutete, einAusläufer der Romantik.
Goethe hat die lakonische Definition gegeben, dasKlassische sei das Gesunde und das Romantische dasKranke. Eine schmerzliche Aufstellung für den, derdie Romantik liebt bis in ihre Sünden und Lasterhinein. Aber es ist nicht zu leugnen, daß sie nochin ihren holdesten, ätherischsten, zugleich volkstüm-lichen und sublimen Erscheinungen den Krankheits-keim in sich trägt, wie die Rose den Wurm, daß sieihrem innersten Wesen nach Verführung ist, und zwarVerführung zum Tode. Dies ist ihr verwirrendes Para-dox, daß sie, die die irrationalen Lebenskräfte revolu-tionär gegen die abstrakte Vernunft, den flachen Hu-manitarismus vertritt, eben durch ihre Hingabe an