sen war, sich auszudrücken, sich im Wort zu befreien,dem immer Erleben eins gewesen war mit reinigend be-wahrender Sprache.
Das Geheimnis der Sprache ist groß; die Verantwort-lichkeit für sie und ihre Reinheit ist symbolischer undgeistiger Art, sie hat keineswegs nur künstlerischen, son-dern allgemein moralischen Sinn, sie ist die Verantwort-lichkeit selbst, menschliche Verantwortlichkeit schlecht-hin, auch die Verantwortung für das eigene Volk, dieReinerhaltung seines Bildes vorm Angesichte der Mensch-heit, und in ihr wird die Einheit des Menschlichen erlebt,die Ganzheit des humanen Problems, die es niemandemerlaubt, heute am wenigsten, das Geistig-Künstlerischevom Politisch-Sozialen zu trennen und sich gegen diesesim Vornehm-»Kulturellen« zu isolieren; diese wahreTotalität, welche die Humanität selber ist und gegen dieverbrecherisch verstieße, wer etwa ein Teilgebiet desMenschlichen, die Politik, den Staat, zu »totalisieren«unternähme.
Ein deutscher Schriftsteller, an Verantwortung ge-wöhnt durch die Sprache; ein Deutscher, dessen Patrio-tismus sich — vielleicht naiverweise — in dem Glaubenan die unvergleichliche moralische Wichtigkeit dessenäußert, was in Deutschland geschieht, — und sollteschweigen, ganz schweigen zu dem all dem unsühnbarSchlechten, was in meinem Lande an Körpern, Seelen undGeistern, an Recht und Wahrheit, an Menschen und andem Menschen täglich begangen wurde und wird? Zuder furchtbaren Gefahr, die dies menschenverderberische,in unsäglicher Unwissenheit über das, was die Weltglocke