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Ansprache im Schillerjahr 1955
Entstehung
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Droben im Olympus blühn?

Gaben wir ihm zum BesitzeNicht der Erde Götterschoß,

Und auf seinem KönigssitzeSchweift er elend, heimatlos?

Das ist die Klage der Ceres imEleusischen Fest 5 es istSchillers Stimme. Ohne Gehör für seinen Aufruf zum stillenBau besserer Begriffe, reinerer Grundsätze, edlerer Sitten,von dem zuletzt alle Verbesserung des gesellschaftlichen Zu-standes abhängt, taumelt eine von Verdummung trunkene,verwahrloste Menschheit unterm Ausschreien technischer undsportlicher Sensationsrekorde ihrem schon gar nicht mehr un-gewollten Untergange entgegen.

Als man, November 1859, seinen hundertsten Geburtstagbeging, hob ein Sturm der Begeisterung einigend Deutschlandauf. Damals bot sich, so heißt es, der Welt ein Schauspiel, dasdie Geschichte noch nicht kannte: das immer zerrissenedeutsche Volk in geschlossener Einheit durch ihn, seinen Dich-ter. Es war ein nationales Fest, und das sei das unsrige auch.Entgegen politischer Unnatur fühle das zweigeteilte Deutsch-land sich eins in seinem Namen. Aber ein anderes, größeresVorzeichen noch muß die Zeit unserer Gedenkfeier verleihen:sie stehe im Zeichen universeller Teilnehmung nach dem Vor-bild seiner hochherzigen Größe, die nach einem ewigen Bunderief des Menschen mit der Erde, seinem mütterlichen Grund.Von seinem sanft-gewaltigen Willen gehe durch das Fest sei-ner Grablegung und Auferstehung etwas in uns ein: von sei-nem Willen zum Schönen, Wahren und Guten, zur Gesittung,zur inneren Freiheit, zur Kirnst, zur Liebe, zum Frieden, zurettender Ehrfurcht des Menschen vor sich selbst.