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Ansprache im Schillerjahr 1955
Entstehung
Seite
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erhaben ist, sie wieder in Freiheit zu setzen und die politischgeteilte Welt unter der Fahne der Wahrheit und Schönheitwieder zu vereinigen. Während seine Zeitschrift sich alle Be-ziehungen auf den jetzigen Weltlauf und die nächsten Erwar-tungen der Menschheit verbiete, wolle sie über die vergangeneWelt die Geschichte und über die kommende die Philosophiebefragen, zu dem durch die Vernunft auf gegebenen, in derErfahrung aber so leicht aus den Augen gerückten Ideal ver-edelter Menschheit einzelne Züge sammeln und arbeiten andem stillen Bau besserer Begriffe, reinerer Grundsätze undedlerer Sitten, von dem zuletzt alle Verbesserung des gesell-schaftlichen Zustandes abhänge.Wohlanständigkeit undOrdnung, Gerechtigkeit und Friede werden also der Geist unddie Regel dieser Zeitschrift sein.

Hüten wir uns nur, solche Vorsätze schwächlich-ästhetizi-stisch zu nennen, zu meinen, sie hätt en irgend etwas zu tun mitdem, was heuteescapism heißt. Arbeit am Geist der Na-tion, ihrer Moral und Bildung, ihrer seelischen Freiheit, ihremintellektuellen Niveau, das sie in den Stand setzt, zu gewahren,daß andere, unter verschiedenen historischen Voraussetzun-gen, einer anderen sozialen Gerechtsame Lebende, auch Men-schen sind 5 Arbeit an der Menschheit, welcher man Anstandund Ordnung, Gerechtigkeit und Friede wünscht statt gegen-seitiger Anschwärzung, verwilderter Lüge und speiendemHaß, - das ist nicht Flucht aus der Wirklichkeit ins Müßig-Schöne, es ist bewahrender Dienst am Leben, der Wille, es zuheilen von Angst und Haß durch seelische Befreiung. Was die-ser Mensch anstrebte mit dem Schwung des Redners, der Be-geisterung des Dichters: das Universelle, Umfassende, reinMenschliche, ist ganzen Generationen als verblaßtes Ideal, alsüberholt, abgeschmackt, veraltet erschienen. Schon Carlyle in

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