Mainz unter denselben Bedingungen wie vordem die Brentano-Gesänge im Druck erschienen waren. Es handelte sich um eineSuite dramatischer Grotesken, deren Gegenstände er, so hörtenwir, dem alten Geschichten- und Schnurrenbuch "Gesta Romano-rum" entnahm, und mit denen er Versuche anstellte, ohne nochrecht zu wissen, ob etwas daraus werden und ob er daran fest-halten werde. Jedenfalls war die Verkörperung nicht Menschen,sondern Gliederpuppen zugedacht. (Daher der Kleist!) - Wasdie “Wunder des Alls" betraf, so hatte dem feierlich-übermü-tigen Werk eine ausländische Aufführung bevorgestanden, dienun durch den Kriegsausbruch ins Wasser gefallen war. Wirhatten bei Tische davon gesprochen. Die Lübecker Darbietun-gen von "Verlorene Liebesmüh", erfolglos wie sie gewesen,nebst dem blossen In der Welt sein der Brentano-Lieder hat-ten doch unter der Hand ihre Wirkung getan und begonnen, demKamen Adrians in inneren Cirkeln der Kunst einen gewissenesoterischen Klang, wenn auch tentativen Charakters, zu ver-schaffen, - auch dies kaum schon in Deutschland und schongar nicht in München, aber an anderer, sensiblerer Stelle.
Er hatte vor einigen Wochen einen Brief des Herrn Monteux,Direktors des Russischen Ballets in Paris, ehemaligen Mit-glieds des Orchesters Colonne, erhalten, worin dieser demExperiment freundliche Dirigent die Absicht kundgetan hatte,die "Wunder des Alls" zusammen mit einigen Orchester-Stückenaus Love’s Labour lost" in rein konzertmässiger Aufführungdarzubieten. Er hatte das Th§ätre des Champs-Elysees fürdie Veranstaltung in Aussicht genommen und Adrian eingela-den, dazu nach Paris zu kommen, auch wohl seine Werke selbsteinzustudieren und vorzuführen. Wir hatten unseren Freundnicht gefragt, ob er unter Umständen der Einladung gefolgtwäre. Jedenfalls hatten die Umstände sich nun so gestaltet,dass von der Sache nicht weiter die Rede war.
Koch sehe ich mich über den Teppich und die Dielen des
457