zu erzählen haben, mit Furcht und Sorge, ja mit Grauen vonWeitem ins Auge fasse, dass sie mir drückend vorstehen, unddass ich ihr Gewicht zu verteilen suche, indem ich sie schonvorzeitig anspielungsweise und freilich nur mir selbst ver-ständlich zu Worte kommen - sie halb und halb bereits ausdem Sacke lasse. Damit meine ich mir ihre künftige Mittei-lung zu erleichtern, ihnen den Stachel des Entsetzens zu neh-men, ihre Unheimlichkeit zu verdünnen. Soviel zur Entschul-digung einer "fehlerhaften” Vortragstechnik und zum Verständ-nis meiner Nöte. - Dass Adrian den Anfängen der Entwicklungen,von denen hier die Rede ist, ganz fern stand, ihnen kaum Au-genmerk schenkte und nur dunh mich, dem viel mehr gesellschaft-liche Neugier, oder soll ich sagen: menschliche Teilnahme,eigen war, als ihm, in gewissem Grade darauf hingelenkt wurde,brauche ich nicht erst zu sagen. Es handelt sich um Folgendes.
Wie früher schon angedeutet, harmonierten beide SchwesternRodde, Clarissa sowohl wie Ines, nicht sonderlich mit ihrerMutter, der Senatorin, und gaben nicht selten zu erkennen,dass ihnen die zahme, leicht lüsterne Halb-Boh^me ihres Salons,ihres entwurzelten, wenn auch mit Resten patrizischer Bürger-lichkeit möblierten Daseins auf die Nerven ging. Beide streb-ten in verschiedenen Richtungen aus dem hybriden Zustande fort:die stolze Clarissa hinaus in ein entschiedenes Künstlertum,zu dem es ihr doch, wie ihr Meister nach einiger Zeit hattefeststellen müssen, an der rechten Blutsberufung fehlte;die fein-melancholische und von Grund aus lebensängstlicheInes dagegen zurück in das Obdach, den seelischen Schutz ge-sicherten Bürgerstandes, wozu der Weg eine respektable, wo-möglich aus Liebe, sonst aber in Gottes Namen auch ohne Liebegeschlossene Heirat war. Ines beschritt, natürlich mit derherzlich sentimentalen Zustimmung ihrer Mutter, diesen Weg -und scheiterte auf ihm ebenso, wie ihre Schwester auf demihren. Es stellte sich tragisch heraus, dass weder ihr per-
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