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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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Rudis erstaunlicher Zutraulichkeit zusammen. Er schien derMeinung zu sein, dass er sich vor zwei Jahren mit Adrian ge-duzt habe, während es doch nur ganz gelegentlich, im Karneval,und auch dann durchaus einseitig, nämlich auf Rudis Seite,zu dieser Anrede gekommen war. Nim nahm er sie treuherzigwieder auf und stand - übrigens ohne jede Empfindlichkeit -erst davon ab, als Adrian schon zum zweiten oder dritten Maldas Eingehen darauf verweigert hatte. Die unverhohlene Er-heiterung der Scheurl über diese Niederlage seiner Zutunlich-keit berührte ihn gar nicht. Kein Anflug von Verwirrungzeigte sich in seinen blauen Augen, die mit so dringlicherNaivität in den Augen dessen wühlen konnten, der etwas Geschei-tes, Gelehrtes oder Gebildetes sagte. Noch heute denke ichnach über Schwerdtfeger und frage mich, wie weit er sich ei-gentlich auf Adrians Einsamkeit und damit auch auf die Bedürf-tigkeit, Verführbarkeit solchen Alleinseins verstand und sei-ne gewinnenden oder, um mich derb auszudrücken, herumkrie-genden Talente daran zu bewähren wünschte. Zweifellos warer zum Gewinnen und Erhern geboren; aber ich müsste fürchten,ihm Unrecht zu tun, wenn ich ihn nur von dieser Seite sähe.

Er war auch ein guter Kerl und ein Künstler, und dass Adrianund er einander später tatsächlich duzten und mit Vornamennannten, möchte ich nicht als einen schnöden Erfolg vonSchwerdtfegers Gefallsucht betrachten, sondern darauf zurück-führen, dass er den Wert des ausserordentlichen Menschen red-lich empfand, ihm wahrhaft zugetan war und daraus die ver-blüffende Unbeirrbarkeit schöpfte, die schliesslich über dieKälte der Melancholie den Sieg - übrigens einen verhängnis-vollen Sieg - davontrug. - Aber nach alter, fehlerhafterGewohnheit greife ich vor.

In.ihrem grossen Hut, von dessen Rand sich ein feinerSchleier zur Nasenspitze spannte, spielte Jeanette ScheurlMozart auf dem Tafelklavier im Schweigestill'sehen Bauera-

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