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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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Bekanntschaften zu machen, bot ihre einsiedlerische, oderdenn also zweisiedlerische, Lebensweise kaum Gelegenheit.

Zweimal während des Winters waren sie zu einer Kunst und Künst-ler begönnernden Dame unbestimmter Herkunft geladen: Madamede Coniar, an die Rüdiger Schildknapp eine Münchener Empfeh-lung hatte. In ihrer mit Widmungsphotographien in Plüsch-und Silberrahmen geschmückten Wohnung am Corso trafen sie miteinem Gemenge internationalen Artistentums, Theatervolk, Ma-lern und Musikern, Polen, Ungarn, Franzosen und auch Italie-nern, zusammen, dessen Einzelerscheinungen sie alsbald wiederaus den Augen verloren. Zuweilen trennte sich Schildknappvon Adrian, um mit jungen Engländern, die Sympathie ihm in dieArme getrieben, Malvasierkneipen aufzusuchen, nach Tivoliauszufliegen oder bei den Trappisten von Quattro FontaneEukalyptusschnaps zu trinken und zur Erholung von den ver-zehrenden Schwierigkeiten der Übersetzungskunst nonsensemit ihnen zu reden.

Kurzum, in der Stadt wie in der Abgeschiedenheit des Ge-birgsstädtchens führten die Beiden das Welt und Menschenvermeidende Leben gänzlich von den Sorgen ihrer Arbeit bean-spruchter Menschen. So wenigstens kann man es ausdrücken.

Und soll ich nun sagen, dass der Abschied vom Hause Manardifür mich persönlich, so ungern ich, wie immer, von AriansSeite ging, doch auch wieder mit einem gewissen heimlichenErleichterungsgefühl verbunden war? Es auszusprechen, kommtder Verpflichtung gleich, das Gefühl auch zu begründen, undschwerlich wird sich das tun lassen, ohne dass ich mir selbstund anderen dabei in einem etwas lächerlichen Lichte erschie-ne. Die Wahrheit ist: in einem bestimmten Punkte, in punctopuncti, wie junge Leute gerne sagen, bildete ich unter denHausgenossen eine etwas komische Ausnahme; ich fiel sozusagenaus dem Rahmen: nämlich in meiner Eigenschaft und Lebensweiseals Ehemann, welcher dem, was wir halb entschuldigend» halb