Dieser Abend war schon einer der letzten, die wir, meingutes Weib und ich, in dem originellen Lebensrahmen der Freun-de verbrachten. V/enige Tage später mussten wir, nach einemAufenthalt von drei Wochen, uns wieder daraus lösen, tun dieHeimreise nach Deutschland anzutreten, während jene dem idylli-schen Gleichmass ihres Daseins zwischen Klostergarten, Fami-lientafel, ölig golden gerandeter Campagna und steinernemWohnsaal, wo sie mit Lesen im Lampenschein den Abend verbrach-ten, noch Monate lang, bis in den Herbst hinein, treu blieben.So hatten sie’s voriges Jahr schon den ganzen Sommer gehal-ten, ;md auch ihre Lebensweise in der Stadt, den v/inter hin,hatte sich nicht wesentlich von dieser hier unterschieden.
Sie wohnten in der Via Torre Argentina nahe dem Teatro Co-stanzi und dem Pantheon, drei Treppen hoch bei einer Vermie-terin, die ihnen Frühstück und Kollation bereitete. In einerbenachbarten Trattoria nahmen sie die Hauptmahlzeit zu einemmonatlichen Pauschalpreise. Die Rolle des Klostergartensvon Palestrina spielte in Rom die Villa Doria Panfili, wosie an warmen Frühlings- und Herbsttagen bei einem schön ge-stalteten Brunnen, an den von Zeit zu Zeit eine Kuh oder einfrei weidendes Pferd zum Trinken trat, ihren Arbeiten nach-hingen. Adrian fehlte selten bei den Nachmittagskonzertender Munizipalkapelle auf Piazza Colonna. Gelegentlich gehör-te der Abend der Oper. In der Regel verbrachte man ihn mitDominospiel bei einem Glase heissen Orangenpunsches in einemstillen Kaffeehauswinkel.
Sie pflogen keinerlei weiteren Umgang - oder so gut wiekeinen, ihre Abgeschlossenheit war in Rom fast so vollkommen,wie auf dem Lande. Das deutsche Element mieden sie gänzlich, -Schildknapp zumal ergriff unfehlbar die Flucht, sobald einLaut der Muttersprache an sein Ohr schlug: Er war ja imstande,aus einem Omnibus, einem Eisenbahnwagen wieder auszusteigen,wenn sich "Germans" darin vorfanden. Aber auch einheimische
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