ist, dem Leser von der Natur meines Freundes ein Bild zugeben, so muss er mit mir das unbeschreiblich Schändende, dashöhnisch Erniedrigende und das Gefährliche dieser Berührungempfinden.
Dass er bis dato kein Weib "berührt” hatte, war und'istmir eine unumstössliche Gewissheit. Nun hatte das Weib ihnberührt - und er war geflohen. Auch an dieser Flucht istnicht eine Spur des Komischen, ich kann es dem Leser versi-chern, falls er geneigt sein sollte, dergleichen darin zusuchen. Komisch allenfalls war dieses Entweichen in dembitter-tragischen Sinn der Vergeblichkeit. In meinen Augenwar Adrian nicht entkommen, und sehr vorübergehend, gewiss,hat er sich als ein Entkommener gefühlt. Der Hochmut desGeistes hatte das Trauma der Begegnung mit dem seelenlosenTriebe erlitten. Adrian sollte zurückkehren an den Ort, wo-hin der Betrüger ihn geführt.
XVIII
Bei meiner Darstellung, meinen Berichten möge der Lesernicht fragen, woher denn das Einzelne mir so genau bekanntist, da ich ja nicht immer dabei, dem verewigten Heldendieser Biographie nicht immer zur Seite war. Es ist rich-tig, dass ich wiederholt durch längere Zeiträume getrenntvon ihm lebte: so während meines Militärjahres, nach dessenAblauf ich allerdings an der Universität Leipzig meine Stu-dien wieder aufnahm und seinen dortigen Lebenskreis genaukennen lernte. So auch für die Dauer meiner klassischen Bil-dungsreise, die in die Jahre 1908 und 9 fiel. Nur flüchtigwar unsere Wiederbegegnung bei meiner Rückkehr von dieser,als er bereits die Absicht hegte, Leipzig zu verlassen und
223